Hast du manchmal das Gefühl, dass du schon viel für die Regulation deines Nervensystems tust, aber es irgendwie trotzdem nicht wirklich funktioniert?
Vielleicht wendest du schon entsprechende Tools & Techniken an, aber merkst du dennoch kaum eine Veränderung?
Das kann daran liegen, dass bestimmte Verhaltensweisen und Denkweisen die Regulation deines Nervensystems behindern können, auch wenn sie dir gar nicht immer bewusst sind.
In diesem Artikel zeige ich dir fünf Dinge auf, die dein Nervensystem daran hindern können, in Balance zu kommen.
Außerdem erfährst du, was du tun kannst, um diese Hindernisse zu überwinden und nachhaltig mehr innere Ruhe zu finden.
1. Perfektionismus: Der ständige Druck zur Selbstoptimierung
Wenn du ständig versuchst, alles perfekt zu machen – sei es im Beruf, im sozialen Umfeld oder in der persönlichen Entwicklung – setzt du dich großem Druck aus.
Das kann dein Nervensystem erheblich belasten.
Der Grund dafür?
Hinter dem Versuch alles perfekt zu machen steckt eine Schutzmechanismus. Du willst deinem Umfeld quasi so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten.
Dein Nervensystem nimmt in der Ablehnung von Außen eine Bedrohung wahr, die es in Alarmbereitschaft versetzt. Es will dich damit vor einem möglichen sozialen Ausschluss schützen.
Ironischerweise bremst dich der Perfektionismus und dieser Schutzmechanismus meist aber eher aus.
Die Sorge, nicht gut genug zu sein, hindert dich letztendlich daran, ins Handeln zu kommen – es könnte ja immer noch besser sein.
So entsteht ein Teufelskreis aus Druck und Zurückhaltung, der dich zunehmend stresst und die Regulation deines Nervensystems behindern kann.
Was du tun kannst
Der Weg aus dem Perfektionismus führ darüber, die Alarmreaktion deines Körpers gezielt umzuprogrammieren.
Die Alarmreaktion deines Nervensystems auf potentielle Kritik ist im Prinzip eine „Fehlschaltung“, die zwar in einer echten Gefahrensituation hilfreich wäre, aber in Situationen, die dich eigentlich weiterbringen sollen, eher kontraproduktiv ist.
Wie du es schaffst, dein Nervensystem so umzuprogrammieren, dass du auch in Situationen, die dich triggern, weiterhin vollkommen präsent und fokussiert bleibst, anstatt dich selbst zu blockieren und verrückt zu machen, erfährst du hier:
Mit Embodiment Perfektionismus überwinden
2. People Pleasing: Wenn du immer versuchst, es allen recht zu machen
People-Pleasing, also das ständige Bemühen, es allen anderen recht zu machen, kann die Regulation deines Nervensystems negativ beeinflussen.
Ein entscheidender Punkt ist, dass der Zustand deines Nervensystems maßgeblich davon abhängt, wie du mit deinen eigenen Bedürfnissen umgehst.
Wenn du immer wieder den Bedürfnissen anderer Vorrang gibst und somit deine eigenen Bedürfnisse zurückstellst, bringt das dein Nervensystem auf Dauer aus der Balance.
Was du tun kannst
Beginne, klare Grenzen zu setzen und achte darauf, was du wirklich brauchst.
Erkenne, dass es nicht deine Verantwortung ist, immer für das Wohlbefinden aller anderen zu sorgen.
Indem du mehr auf dich selbst hörst und dir erlaubst, auch mal „Nein“ zu sagen, entlastest du dein Nervensystem und stärkst langfristig dein Wohlbefinden.
Wie du lernen kannst, deine eigenen Bedürfnisse zu identifizieren und sie zu stillen, erfährst du hier:
Warum du deine Bedürfnisse erkennen und erfüllen solltest
3. Unterdrücken von Gefühlen: Verdrängen von unangenehmen Emotionen
Gefühle sind ein wichtiger Bestandteil deines Lebens und bieten wichtige Hinweise auf deine Bedürfnisse und Grenzen.
Wenn du vermeintlich negative Gefühle wie Ärger, Traurigkeit oder Angst versuchst, zu unterdrücken, verhindert das langfristig die Regulation deines Nervensystems.
Das hängt damit zusammen, dass dein autonomes Nervensystem alle unterdrückten Gefühle abspeichert, was dauerhaft zur Überlastung führen kann.
Bildlich kannst du dir das so vorstellen:
Hast du schon mal versucht, einen Ball unter Wasser zu drücken? Ich schon.
Dabei musste ich immer wieder feststellen:
1. Es kostet ungeheuer viel Kraft.
2. Sobald du den Ball loslässt, kommt er dir mit Wucht entgegen.
So ähnlich ist es auch mit ungewollten Emotionen und Gefühlen.
Wenn du diese immer wieder wegdrückst, kostet das unglaublich viel Energie.
Und die Gefühle kommen irgendwann meist mit voller Kraft wieder an die Oberfläche.
So wie der Wasserball.
Und je mehr Gefühle du verdrängst, desto anstrengender wird es.
Gleichzeitig entfernst du dich immer mehr von deinem authentischen Selbst, was auf Dauer zu einem deregulierten Nervensystem führt.
Was du tun kannst
Nimm dir regelmäßig Zeit, um in dich hineinzuspüren.
Richte deine Aufmerksamkeit nach innen und nimm deine Körperempfindungen wahr.
Egal, was du spürst, gib dem einfach Raum, setz dich hin, spür deinen Körper und atme.
Hör auf zu unterdrücken, was du normalerweise unterdrücken würdest.
Nimm einfach nur wahr, akzeptiere, was ist und spüre, was du brauchst.
Eine genauere Anleitung, wie du alle deine Gefühle spüren und annehmen kannst, findest du auch hier:
Spüren & Erlauben: Wie du Gefühle wahrnehmen und zu Ende fühlen kannst
4. Bewegungsmangel: Der fehlende Ausgleich für das Nervensystem
Unser heutiger Alltag ist häufig von Hektik und Stress geprägt.
Und Stress bedeutet für dein Nervensystem immer die Aktivierung des Sympathikus – das ist der Teil, der dich in Alarmbereitschaft versetzt.
Instinktiv bereitet sich dein Körper in diesen Momenten darauf vor, entweder zu kämpfen oder zu fliehen, um die Sicherheit für dein System wiederherzustellen.
Diese automatische Reaktion ist grundsätzlich eine großartige Fähigkeit deines Nervensystems, die in echten Bedrohungssituationen, wie beispielsweise vor vielen Tausende Jahren bei der Begegnung mit einem Säbelzahntiger, dein Überleben sichert.
Heute allerdings gibt es keine Säbelzahntiger mehr und viele unserer heutigen wahrgenommenen Gefahren sind keine echte Lebensbedrohung mehr.
Sie sind eher unsere Vorgesetzten, unsere Schwiegereltern oder Eltern, Partnerinnen, Kinder u.ä.
Trotzdem reagiert dein Körper auf solche „Gefahren“ – zum Beispiel die Kritik deines Partners oder die Erwartungen deines Chefs – auf eine ähnliche Weise wie früher auf den Säbelzahntiger.
Damals war es jedoch so, dass in einer solchen Situation dein Körper aktiv werden musste, um entweder zu kämpfen oder zu fliehen.
Diese Bewegung half, Stresshormone abzubauen und das Nervensystem nach und nach wieder in einen entspannten Zustand zu bringen.
Heute hingegen bleiben wir viel zu oft körperlich inaktiv, obwohl wir ständig mit gefühlt hunderten „metaphorischen Säbelzahntigern“ konfrontiert werden.
Anstatt aktiv zu werden, schluckst du vielleicht deine Wut hinunter, ziehst dich zurück und bleibst äußerlich still.
Ohne diese körperliche Bewegung bleibt dein Nervensystem jedoch in einem dauerhaft hohen Aktivierungszustand, weil es keine Möglichkeit findet, die aufgestaute Stressenergie abzubauen.
Was du tun kannst
Regelmäßige, moderate Bewegung wie Spazierengehen, Tanzen oder leichtes Yoga kann Wunder wirken.
Finde eine Bewegungsart, die dir Freude macht, und integriere sie in deinen Alltag. Schon 20 bis 30 Minuten pro Tag reichen oft aus, um dein Nervensystem zu entlasten und mehr innere Ruhe zu finden.
Wichtig dabei ist nichts zu erzwingen, sondern auf deinen Körper zu hören, was ihm guttut.
5. Beschäftigungssucht: Ständige Aktivität ohne Erholung
In unserer modernen Gesellschaft wird Produktivität oft mit unserem Wert gleichgesetzt.
Wir fühlen uns gedrängt, ständig aktiv zu sein und möglichst viel zu leisten.
Diese innere Haltung führt leider oft dazu, dass wir unser eigenes Bedürfnis nach Pausen und Entspannung ignorieren.
So kommt die Balance zwischen Ruhe und Aktivität aus dem Gleichgewicht, was für die Regulation deines Nervensystems hinderlich ist.
Darüber hinaus bewirkt die ständige Aktivität oft, dass wir unsere Aufmerksamkeit verstärkt auf das Außen richten und dadurch das Gespür für uns selbst und unsere eigenen Bedürfnisse verlieren, was ebenfalls nicht förderlich für ein entspanntes Nervensystem ist.
Mehr zur Beschäftigungssucht erfährst du auch hier:
Weniger arbeiten? Wie dich deine Beschäftigungssucht davon abhält
Was du tun kannst
Plane bewusste Pausen ein und versuche, auch mal nichts zu tun.
Lass dein Handy beiseite und versuche, einfach in der Gegenwart zu sein.
Achte auf deine Atmung und entspanne dich.
Kleine, regelmäßige Ruhephasen können deinem Nervensystem helfen, in den Ruhemodus zu wechseln und sich zu erholen.
Fazit
Um die Regulation deines Nervensystems zu unterstützen, ist es entscheidend, die kleinen unbewussten Muster zu erkennen, die es in einen Stresszustand versetzen.
Ob Perfektionismus, das Streben nach Harmonie um jeden Preis, das Zurückhalten von Gefühlen, zu wenig Bewegung oder ein permanentes Aktiv sein ohne Erholung – all diese Verhaltensweisen können auf lange Sicht die Regulation deines Nervensystems verhindern.
Vielleicht erkennst du dich ja in einigen dieser Punkte wieder und lässt dich von mir inspirieren, in Zukunft auf diese Punkte zu achten und deinem autonomen Nervensystem damit etwas Gutes zu tun.
Wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, was du für die Regulation deines Nervensystem tun kannst, hör dir gern auch folgende Podcast-Episoden an:
- Podcast-Episode 116: Wie du das Nervensystem regulieren und entstressen kannst
- Podcast-Episode 204: Wie du die Selbstregulation des Nervensystems fördern kannst
- Podcast-Episode 212: Embodied Safety: Wie man Sicherheit in sich selbst finden kann



