Mal ehrlich:
Wie oft hast du dir bei Entscheidungen schon selbst im Weg gestanden und dich von deinen Zielen abbringen lassen?
Und wie häufig warst du darüber verärgert oder hast dich selbst dafür abgewertet?
Ich lehn mich mal weit aus dem Fenster und behaupte:
Wahrscheinlich ziemlich häufig.
Warum du dir oft selbst im Weg stehst, was dein Nervensystem damit zu tun hat und wie du deine Selbstsabotage überwinden kannst, erfährst du in diesem Blogartikel.
Definition: Was ist Selbstsabotage und welche Rolle spielt dein Nervensystem dabei?
Beim Begriff Selbstsabotage schwingt schon so eine negative Assoziation mit. Als würdest du dir selbst unbewusst etwas Schlechtes wollen.
Aus Nervensystemperspektive ist allerdings das absolute Gegenteil der Fall:
Jede Form von Selbstsabotage ist nichts anderes als ein Selbstschutz.
All die Momente, in denen du dich anders verhältst, als du es eigentlich willst, verhältst du dich so, weil dein Nervensystem dich vor etwas schützen will.
Denn die Hauptaufgabe deines autonomen Nervensystems ist es, für deine Sicherheit und dein Überleben zu sorgen.
Stell dir beispielsweise vor, du bist selbstständig und arbeitest daran, ein neues Angebot zu bewerben.
Aber anstatt dich auf den Launch zu fokussieren und die nächste Insta-Story zu posten, lenkst du dich mit anderen Dingen ab. Du stehst dir also selbst im Weg, voranzukommen.
Vielleicht fragst du dich jetzt, was eine Insta-Story zu posten oder nicht mit deinem Überleben zu tun hat? Für dein Nervensystem fühlt sich das sehr wohl als Gefahr an. Du musst dich zeigen, nach außen gehen und deine Komfortzone verlassen.
Und alles, was dein Nervensystem als Gefahr wahrnimmt versucht es zu verhindern.
Aber die wenigsten sind hier, um nur zu überleben. Die meisten Menschen wollen das Beste aus ihrem Leben rausholen. In dem Moment, in dem du merkst, dass dein Nervensystem nur das "Nötigste" macht, um zu überleben und du aber mehr willst, kannst du anfangen, mit deinem Nervensystem zu arbeiten.
Was können die Ursachen für Selbstsabotage sein?
Wenn du dir oft selbst im Weg stehst, kann das verschiedene Gründe haben.
Einige Beispiele:
- Dysreguliertes Nervensystem: Dein Nervensystem sammelt permanent alle Informationen aus dem Inneren und dem Außen, wertet diese aus und bewertet dann, ob sie gefährlich sind oder nicht. Ist dein Nervensystem eher dysreguliert, ist deine Alarmbereitschaft erhöht. Dann bist du ängstlicher, zeigst mehr Vermeidungsverhalten, fängst an, dich zurückzuziehen und allen möglichen (vermuteten) Gefahren auszuweichen.
- Gelerntes: Es kann aber auch sein, dass dein Nervensystem Alarm schlägt, weil es etwas gelernt hat. Ist zum Beispiel eine frühere Verkaufsaktion schon einmal schief gegangen und hat sich am Ende wie Versagen für dich angefühlt, wird dich dein Nervensystem davor beschützen wollen und dich davon abhalten, noch einmal ein neues Angebot auf den Markt zu bringen.
- Unbekanntes: Alles, was unbekannt ist, löst ebenfalls Alarmsignale aus. Dinge, die du noch nie gemacht hast und vielleicht nicht mal ähnlich sind wie Dinge, die du schon gemacht hast, fühlen sich für dein Nervensystem erst einmal potenziell gefährlich an.
Wie kannst du erkennen, dass du dich selbst sabotierst? – 5 Anzeichen
Es gibt verschiedene Formen, wie sich deine inneren Saboteure bemerkbar machen können:
- Du traust dich nicht, deine Meinung zu sagen, weil du Angst davor hast, was andere über dich denken oder von dir halten könnten.
- Du stellst die Bedürfnisse von anderen über deine eigenen.
- Du schiebst ständig Dinge vor dir her, die du erledigen müsstest.
- Perfektionismus ist auch eine Form der Selbstsabotage. Nämlich dann, wenn er soweit führt, dass du gewisse Projekte erst gar nicht angehst. Oder du fängst an, alles tausendmal zu kontrollieren. Im Perfektionismus steckt auch immer die Angst, nicht gut genug zu sein.
- Du stellst gesellschaftliche Normen über dein eigenes Glücklichsein und verharrst lieber in einer Situation, die dich unglücklich macht.
Wie kannst du Selbstsabotage auflösen?
Hier lohnt es sich mal genauer hinzuschauen, was eigentlich hinter deinem Vermeidungsverhalten steckt.
Warum lenkst du dich ab, wenn du dich eigentlich mit einer wichtigen Aufgabe beschäftigen wolltest?
Oder anders gesagt:
Du stehst vor einer Herausforderung und anstatt darauf zuzugehen, umgehst du sie, indem du dich mit anderen Dingen ablenkst.
Aus Nervensystemperspektive ist dieses Vermeidungsverhalten die Flucht vor dem Unbekannten und damit einhergehenden unangenehmen Konsequenzen.
Es könnten ja negative Reaktionen auf deine Instagram Story aus dem oben genannten Beispiel folgen.
Indem du dich mit anderen Dingen ablenkst, blockierst du deine wahren Empfindungen. Statt hinzuspüren, was wirklich aufkommen möchte (zum Beispiel Angst vor negativen Reaktionen), verdrängst du die Empfindungen lieber.
Wie kannst du jetzt aus diesem Vermeidungsverhalten und somit deiner Selbstsabotage rauskommen?
Es geht darum, diese Empfindungen nicht mehr möglichst schnell zu betäuben, sondern sie bewusst zu spüren und wahrzunehmen.
Eine einfache Praxis, um Selbstsabotage zu überwinden
Wenn du merkst, dass du im Vermeidungsverhalten feststeckst und dich mit anderen Dingen von deinem eigentlich Vorhaben ablenken möchtest, nimm dir einen Moment Zeit, um in dich hineinzuspüren:
Mach es dir an deinem Lieblingsplatz bequem und schließ die Augen. Fokussiere dich auf deinen Atem und schau einfach, was aufkommen will.
Vielleicht spürst du die Angst vor negativem Feedback oder vielleicht kommen auch noch ganz andere Gefühle auf.
Und dann lass einfach alles da sein, ohne zu bewerten.
Du wirst merken, dass die aufkommenden Emotionen und Gefühle irgendwann vorüberziehen und dir alles gar nicht mehr so schlimm vorkommt.
Wahrscheinlich wirst du auch merken, wie du im Allgemeinen ruhiger wirst und dein Nervensystem herunterfahren kann.
Diese Praxis kannst du auch gerne regelmäßig anwenden. Nehme dir bewusst Zeit aus deinem Alltag heraus, um unterdrückte Emotionen aus der Vergangenheit anzuschauen, die Gefühle und Empfindungen dazu zu spüren und diesen Raum zu geben.
Dadurch kann sich dein Nervensystem wieder besser regulieren und trägt auf allen Ebenen zu deinem Wohlergehen und einer guten Verbindung zu dir selbst bei.
Das alles kann dir dabei helfen, dich in Zukunft nicht mehr mit Vermeidungsverhalten selbst zu sabotieren.
Fazit: Überwinde deine Selbstsabotage
Wahrscheinlich haben wir alle diese Momente, in denen wir uns und unsere Bedürfnisse verleugnen und uns damit selbst sabotieren.
Ein Anfang ist aber schon gemacht, wenn du eben nicht mehr von Selbstsabotage redest, sondern von Schutz. Dann kannst du dir selbst mit viel mehr Mitgefühl und Verständnis begegnen. Unter Umständen kannst du sogar dankbar dafür sein, dass dein Nervensystem dich in der Vergangenheit so gut beschützt hat.
Aber dann bleib nicht stehen, sondern fange an, aktiv daran zu arbeiten, dein Nervensystem zu regulieren. Dann kannst du es auch schaffen, deine Selbstsabotage zu überwinden.
Wenn du noch tiefer in das Thema „Selbstsabotage“ eintauchen möchtest, schau gerne auch hier rein:
- Podcast-Episode 145: Selbstsabotage wegen der Angst vor Erfolg
- Podcast-Episode 164: Spiritual Bypassing – Selbstsabotage erkennen und auflösen
- Podcast-Episode 174: Was wirklich hinter deiner Selbstsabotage steckt
- Mein Buch Kein neues Ich - Mit NeuroEmbodiment zurück zu deinem wahren Selbst



