Die bewusste Arbeit mit dem Körper kann dir dabei helfen, dein Leben positiv zu verändern.
Genau deshalb möchte ich in diesem Artikel darauf eingehen, was Embodiment genau bedeutet, was passiert, wenn du die Verbindung zu deinem Körper verlierst und was dein Nervensystem mit Embodiment zu tun hat.
Außerdem verrate ich dir eine Embodiment-Übung, die du ganz leicht in deinen Alltag einbauen kannst.
Bestimmt hast du schon mal den Satz "Der Körper ist der Spiegel der Seele“ gehört. Damit ist gemeint, dass sich Probleme auf psychischer Ebene auch in körperlichen Symptomen widerspiegeln können.
Aber wusstest du, dass deine Körpersprache, Körperhaltung etc. auch einen Einfluss auf deinen geistigen, emotionalen oder seelischen Zustand haben können?
Ein Blick auf unsere heutige Gesellschaft zeigt, dass wir leider die Verbindung zu unserem Körper größtenteils verloren haben. Oft handeln wir total verkopft und unterdrücken oder ignorieren unsere körperlichen Empfindungen.
Und genau deshalb werden Embodiment und der ganzheitlichen Einbezug von Körper, Geist, Emotionen und Seele immer wichtiger.
Definition: Was ist Embodiment?
Unter dem Begriff Embodiment ([εm‘bɒdimənt], deutsch: Verkörperung, Inkarnation) sind verschiedene Aspekte zu verstehen.
Das Wichtigste jedoch ist es - v.a. in Abgrenzung zu sonstiger Körperarbeit -, dass es beim Thema Embodiment um die Verbindung zwischen körperlichen, mentalen, emotionalen und seelischen Prozessen geht.
Die Wechselwirkung dieser verschiedenen Ebenen liegt im Fokus.
Das bedeutet, es wird betrachtet, welchen Einfluss der geistige, emotionale oder seelische Zustand auf den Körper hat. Wie werden die verschiedenen Zustände im Körper spür- und sichtbar? Und umgekehrt wird spezifisch untersucht, wie eine körperliche Haltung (Position) die geistige, emotionale oder seelische Haltung beeinflusst.
Viele andere Techniken der Körperarbeit hingegen beziehen oftmals eben nur die körperliche Ebene mit ein und betrachten dabei aber die Wechselwirkungen nicht oder nur wenig.
Wie es zu Disembodiment (Abspaltung von deinem Körper) kommt
Heutzutage messen wir dem rationalen Verstand oft viel mehr Bedeutung zu als dem, was wir spüren und fühlen können.
Diese Abspaltung von körperlichen Empfindungen wird über die Zeit in deinem Nervensystem automatisiert und als normal abgespeichert. Ab diesem Moment läuft sie unbewusst ab und führt zu einem Zustand des Disembodiments.
Das bedeutet, dass kein bewusstes Embodiment - also kein bewusstes Verkörpern einer inneren und/oder äußeren Haltung - mehr stattfinden kann. Du hast dann nur noch wenig oder keine Präsenz für das Empfinden und Sein im Hier und Jetzt.
Die Folgen davon, wenn du dich selbst nicht mehr richtig spüren kannst, sind einerseits der Verlust des Zugangs zu deiner Intuition und inneren Stimme, andererseits aber auch, dass du dich in Dauerschleife immer wieder in den gleichen Situationen wiederfindest.
Das, was du - bewusst oder unbewusst - immer wieder verkörperst, wird zu deinem Seins- bzw. Normalzustand, aus dem heraus dann deine Gedanken, Gefühle und Handlungen gesteuert werden.
Was dein Nervensystem mit Embodiment zu tun hat
Wie schon erwähnt, werden unter dem Begriff Embodiment verschiedene Aspekte verstanden.
So kann Embodiment den Akt, einen bestimmten Seinszustand zu verkörpern, beschreiben.
Sobald wir einen bestimmten Seinszustand einnehmen und verkörpern, aktivieren wir durch dieses Embodiment gleichzeitig auch automatisch entsprechende und zum Seinszustand passende Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen oder Gewohnheiten.
Diese werden dann durch spezifische Körperhaltungen und neuro-muskuläre Muster im Unterbewusstsein abgespeichert.
Damit meint Embodiment dann andererseits in einem weiteren Sinne auch die automatische und unbewusste Aktivierung von gewohnheitsmäßigen Handlungsabläufen, die in deinem neuromuskulären System gespeichert (embodied) sind.
Dein Seinszustand ist zu einem großen Teil davon beeinflusst, in welchem Zustand sich dein autonomes Nervensystem befindet.
Das ist genau der Grund, warum ich meine Arbeit als NeuroEmbodiment® bezeichne. Es nutzt das aktuelle Wissen aus Hirnforschung und Neurowissenschaft und die Tatsache, dass langfristig nicht deine Gedanken oder Vorstellungen darüber entscheiden, was du tust - sondern der Zustand des Nervensystems.
Dein Nervensystem entscheidet darüber, wie du denkst, fühlst und handelst.
Wenn du gestresst bist, verhältst du dich anders, hast andere Gedanken und fühlst auch anders, als wenn dein Nervensystem entspannt ist. So kannst du in ein- und derselben Situation vollkommen unterschiedlich (re-)agieren - je nachdem, wie der Grundtonus deines Nervensystems gerade ist.
Der Grund dafür ist, dass alle Sinnesreize einer Situation (das was du hörst, siehst, fühlst, riechst und schmeckst) zuerst im Nervensystem eintreffen und dort dessen Grundzustand entsprechend "eingefärbt" werden. Diese Färbung beeinflusst dann wiederum alle Gedanken und Gefühle und ist dafür verantwortlich, wie du handelst.
Setzt du also beim Nervensystem an, kannst du die Färbung dessen verändern, wie du das Leben wahrnimmst und wie du denkst, fühlst und handelst.
So kannst du Embodiment ganz einfach in deinen Alltag einbauen
Vielleicht fragst du dich jetzt, wie du die Verbindung zu deinem Körper wiederherstellen oder verbessern kannst?
Es gibt eine einfache Übung, über die du das Embodiment täglich in deinen ganz normalen Alltag einbauen kannst.
Du kannst dir hierfür bewusst Zeit nehmen, dich hinsetzen und es dir gemütlich machen. Du kannst aber zum Beispiel auch an der Supermarktkasse stehen oder im Wald spazieren gehen. Die Übung ist von überall aus möglich.
Es geht darum, für ein paar Minuten am Tag deinen Körper bewusst wahrzunehmen. Sei völlig präsent und spüre, wie viel und was du in diesem Moment von deinem Körper spüren kannst.
Kannst du wahrnehmen, ob irgendwo Verspannungen sind?
Kannst du wahrnehmen, wie sich dein Herzschlag anfühlt?
Kannst du wahrnehmen, wie deine Atmung fließt?
Kannst du wahrnehmen, wie sich deine Haut anfühlt?
Lege den Fokus einfach auf das, was du gerade wahrnimmst, ohne es zu bewerten.
Und wenn du noch einen Schritt weitergehen willst, kannst du versuchen, die Sinnesreize um dich herum wahrzunehmen.
Was kannst du in dem Moment sehen? Lass deinen Blick weich und weit werden. Nimm die Farben wahr, die du in deinem gesamten Blickfeld siehst. Schau dir die Formen an, also was ist es, was du sehen kannst und dann bleib bei diesem Sinnesreiz des Sehens.
Nimm immer noch wahr, was du sehen kannst, aber fange zusätzlich an wahrzunehmen, was du hören kannst. Vielleicht Stimmen, vielleicht eine Straße, vielleicht hörst du Kinder.
Wenn du das gemacht hast, dann halte das Hören und das Sehen präsent und schau, was du fühlen kannst.
Sitzt du da? Kannst du die Kleidung auf deiner Haut wahrnehmen? Kannst du, wenn du sitzt, das Gesäß auf der Unterlage wahrnehmen? Wenn du läufst, kannst du die Füße auf dem Boden spüren.
Nimm ganz bewusst wahr und lass alles da sein, was aufkommen will.
Wenn du das Gefühl hast, es ist genug, kannst du wieder in deinen Ausgangszustand zurückkommen.
Diese Übung stärkt das Bewusstsein für deinen Körper und bringt dich unmittelbar ins Hier und Jetzt.
Und das Beste: du kannst sie wirklich überall ausführen.
Noch mehr Embodiment-Übungen findest du hier.
Fazit
Embodiment hilft dir dabei, wieder in Verbindung mit deinem Körper zu kommen. Anstatt nur mit dem Verstand und dem Denken durch das Leben zu gehen, wird der gesamte Körper mit einbezogen.
So stärkst du deine Intuition und die Verbindung zu deinem wahren, authentischen Selbst.
Dies wiederum ist der Schlüssel für ein erfülltes Leben.
Deshalb empfehle ich dir, regelmäßig mit Embodiment-Übungen das Bewusstsein für deinen eigenen Körper zu stärken.
Wenn du noch tiefer in das Thema „Embodiment" eintauchen möchtest, hör dir gern auch folgende Podcast-Episoden an:
- Podcast-Episode 212: Embodied Safety: Wie man Sicherheit in sich selbst finden kann
- Podcast-Episode 237: Wie das autonome Nervensystem unsere Persönlichkeit beeinflusst
- Podcast-Episode 239: Spüren & Erlauben: Wie du Gefühle wahrnehmen und zu Ende fühlen kannst



