13. Juli 2024

Körperweisheit – wie du vom Kopf zurück in den Körper findest

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In der heutigen Zeit neigen die meisten von uns dazu, extrem kopflastig zu leben.
Als Folge verlieren wir häufig die Verbindung zu unserem Körper und zu unserer Körperweisheit.

Den Signalen unseres Körpers, unseren Gefühlen und Empfindungen geben wir - ganz unbewusst - wenig Raum, um im hektischen Alltag funktionieren zu können. Dabei weiß unser Körper meistens am allerbesten, was wir brauchen!

Warum die Verbindung zu deinem Körper so wichtig für dein Leben ist und wie du Zugang zu deiner Körperweisheit findest, erfährst du in diesem Blogartikel.

Außerdem verrate ich dir, welche Übung dir dabei helfen kann, die Signale deines Körpers wieder wahrnehmen und verstehen zu können.

Was bedeutet Körperweisheit eigentlich genau?

Bestimmt hast du schon mal den Satz "Der Körper ist der Spiegel der Seele“ gehört?
Dabei geht es darum, dass dein Körper dir über gewisse Signale mitteilt, was du gerade brauchst.

Und genau das bedeutet Körperweisheit:
Ein inneres Wissen darüber zu haben, was für dich richtig ist.

Es beginnt bei ganz einfachen Dingen, wie deinen Grundbedürfnissen.
Dein Körper zeigt dir, wenn du hungrig, durstig oder müde bist.
Das sind die Basics.
Aber dein Körper weiß noch viel mehr.

Wenn du dir Zeit nimmst, auf ihn zu hören, kann dein Körper als Kompass für dein gesamtes Leben dienen. Er sagt dir in allen Situationen genau, was los ist und was gut für dich ist.

Dabei ist es im Alltag leider häufig ganz schön schwer, die Botschaften des eigenen Körpers wahrzunehmen, zu verstehen und ihnen auch zu folgen.

Aber warum ist das eigentlich so?



Warum der Zugang zur unserer Körperweisheit immer mehr verloren geht

Die Ursachen dafür, warum wir die Signale unseres Körpers in Form von Gefühlen und Empfindungen oft aus unserem Bewusstsein verdrängen, sind in der Regel unverarbeiteter Alltagsstress, (Schock-)Traumata, frühkindliche Entwicklungs- oder Bindungsverletzungen und unterdrückte Emotionen.

Das kannst du dir so vorstellen:

Zu einem früheren Zeitpunkt in deinem Leben waren gewisse Empfindungen so überwältigend, dass dein Nervensystem das Gefühl hatte, diese nicht mehr aushalten oder keinen angemessenen Umgang damit finden zu können. Als Schutzmechanismus folgt dann ein Betäuben der Wahrnehmung dieser Empfindungen, um weitermachen zu können.

Die Empfindungen sind jedoch nach wie vor vorhanden. Es wurde einfach deine Fähigkeit, diese wahrzunehmen, gedämpft, um dich vor dem Schmerz zu bewahren.

Das ist ein bisschen so, als würdest du einen Schmerztablette nehmen.
Der Schmerz und die Schmerzursache sind in deinem System noch vorhanden, aber der Wirkstoff der Schmerztablette unterbricht die Reizleitung.
Das bewirkt, dass die Schmerzinformation nicht in deinem Gehirn ankommt und du sie dadurch nicht mehr oder nur noch sehr gedämpft wahrnimmst.
So wird es möglich, dass du deinen Alltag, trotz der eigentlichen Schmerzen, ohne größere Einschränkungen weiter bewältigen kannst.

Genauso ist das auch mit deinen unterdrückten Gefühlen.
Sie sind noch vorhanden, aber verschwinden erstmal aus deinem Bewusstsein, sodass du wie gewohnt weitermachen kannst.

Für eine gewisse Zeit mag das vielleicht auch gut gehen.

Wenn du gewisse Empfindungen allerdings für längere Zeit unterdrückst, gerät dein Nervensystem aus der Balance, was sich dann über Symptome wie eine hohe Irritierbarkeit, Gereiztheit, dauerhafte Erschöpfung, Schlafstörungen oder ähnliches äußern kann.
(Weitere Anzeichen für ein dysreguliertes Nervensystem findest du in meiner Podcast Episode 13 Anzeichen dafür, dass du dein Nervensystem beruhigen solltest).

Außerdem führt ein dysreguliertes Nervensystem dazu, dass du das Gespür für dich selbst verlierst. Dein Fokus liegt dann hauptsächlich im Außen, sodass der Zugang zu dir und deinem Körper, deiner Intuition und somit auch zu deiner Körperweisheit immer mehr verloren geht.

Aber warum ist eine gute Verbindung zu deinem Körper und deiner Körperweisheit überhaupt so wichtig für dich?

 

Warum es so wichtig ist, vom Kopf wieder in den Körper zu kommen

Wie oben schon erwähnt, sendet dir dein Körper im Alltag immer wieder kleine Signale, um dir mitzuteilen, was du gerade brauchst.

Je besser du mit dir selbst verbunden bist, desto eher spürst du die feinen Veränderungen in deinem Körper, die mit verschiedenen Situationen und Menschen in deinem Leben einhergehen können.

Wenn du diese Veränderungen in deinem Körper wahrnehmen kannst, bekommst du wichtige Informationen darüber, was für dich gut und stimmig ist.

Dadurch fällt es dir leichter, dich auf eine Art und Weise zu verhalten, die deiner inneren Wahrheit entspricht und mehr Wohlbefinden für dich zur Folge hat.

Das bedeutet, deine Körperempfindungen können zu deinem inneren Kompass bei wichtigen Entscheidungen und auf deinem Weg zu einem erfüllten Leben werden.

Vielleicht fragst du dich jetzt, was du tun kannst, um den Zugang zu deiner Körperweisheit wiederzuerlangen?



Wie du wieder Zugang zu deiner Körperweisheit findest 

Der Schlüssel liegt hier in der Regulation deines Nervensystems.

Warum?

Wenn dein Nervensystem aufgrund von zu vielen unterdrückten Empfindungen, zu viel Alltagsstress oder anderer Ursachen aus der Balance geraten ist, schaltet es in einen dauerhaften Alarmzustand.

Das bedeutet, der Fokus liegt ständig nur darauf, dein Überleben zu sichern und vor einer (vermuteten) Gefahr zu fliehen oder dagegen anzukämpfen.

Dein Nervensystem ist nicht mehr in der Lage, zwischen verschiedenen Zuständen (entspannt, aktiviert) hin und her zu wechseln, sondern ist einfach immer auf “Alarmstufe rot”.
Dein Körper hat sozusagen verlernt, verschiedene Sprachen zu sprechen. Er kennt nur noch die Sprache “Vollgas”.

Ist dein Nervensystem hingegen reguliert, ist dein Körper in der Lage, dir verschiedene Impulse und Signale zu geben, anstatt in der Kampf-oder-Flucht-Reaktion festzustecken.
Gleichzeitig fällt es dir mit einem regulierten Nervensystem viel leichter, dich mit dir selbst zu verbinden und die Signale deines Körpers auch tatsächlich wahrzunehmen.

Aber wie kannst du dein Nervensystem regulieren?

Ziel ist es, wieder zu lernen, deinen Empfindungen Raum zu geben und diese anzunehmen.
Denn nur, wenn du aufkommende Gefühle bis zum Ende spürst, bleiben sie nicht im Körper stecken und belasten so dein System.

Du kannst dir deine Gefühle vorstellen wie eine Welle, die einen natürlichen Lebenszyklus von der Entstehung bis zum Auflösen hat.

Die Welle beginnt, bäumt sich auf, erreicht einen Höhepunkt und flacht danach wieder ab, bis sie sich vollständig aufgelöst hat.

Bei den Gefühlswellen dauert ein normaler Lebenszyklus normalerweise neunzig Sekunden bis drei Minuten. Danach verflüchtigt sich die reine körperliche Empfindung von ganz alleine.

In der Realität ist es jedoch so, dass wir Gefühlswellen selten diesen uneingeschränkten Raum geben und sie deshalb nie ganz abflachen können. Stattdessen gibt es zwei häufige Umgangsformen:

  • Wir unterdrücken das Gefühl und versuchen, die Welle einzudämmen, zu ignorieren oder zu betäuben oder
  • Wir halten die körperliche Empfindung durch ihre wiederholten Gedanken an den Auslöser künstlich aufrecht und bewirken dadurch, dass die körperliche Empfindung in der Dauerschleife feststeckt.

Erlauben wir den Gefühlswellen stattdessen, sich zu vervollständigen, kann extrem viel Energie freigesetzt werden. 
Energie, die jetzt nicht mehr dafür aufgebracht werden muss, etwas zu unterdrücken.

Dadurch kann sich dein Nervensystem wieder besser regulieren und trägt zu einer guten Verbindung zu dir selbst und deiner inneren Weisheit bei.

Was du dafür brauchst, um wieder ins Spüren zu kommen und unterdrückten Gefühlen Raum zu geben?
Vor allem ganz viel Übung in der Praxis!

Es gibt unglaublich viele Tools und Übungen, wie du dein Nervensystem regulieren und zurück zu deiner Körperweisheit finden kannst.

Wenn du genau das jetzt googelst, findest du wahrscheinlich unzählige Ergebnisse.
Ansonsten findest du auch in meinem Blogartikel “Das Nervensystem beruhigen” 5 einfache Übungen, die dir dabei helfen, dein Nervensystem in Balance zu bringen.

Es ist einfach unglaublich wichtig, dass du hier in die Selbst-Erfahrung kommst und das Wissen und die Tools auch wirklich praktizierst.
Denn, wenn du tausende von Tools kennst, aber sie nicht anwendest, wird sich nichts in deinem Leben ändern.

Wenn du wirklich nachhaltig etwas in deinem Leben verändern möchtest, geht es vor allem darum, Wissen vom Kopf in deinen Körper zu bringen.
Und das funktioniert durch das Praktizieren, Spüren und Erfahren.

Durch die regelmäßige Anwendung der Tools und Übungen werden neue neuronale Verbindungen in deinem Körper geknüpft. Das heißt, das neue Wissen kann sich so in dein System einprägen, dass du automatisch neue Verhaltensweisen zeigst.



Körperkompass - Ein Tool, das dir hilft die Signale deines Körpers besser zu verstehen

Um in die Praxis zu kommen, habe ich zum Abschluss noch ein Embodiment -Tool für dich, das dir dabei hilft, Entscheidungen mehr aus dem Körper heraus - und weniger aus dem Kopf - zu treffen.

Wenn du eine Entscheidung treffen willst, aber darüber unschlüssig bist, kann dir die Reaktion deines Körpers genau anzeigen, wie dein Weg aussehen sollte.

Dein Körper wird damit zu einer Art Navigationsgerät oder eben Kompass. 


Anleitung:

Zunächst geht es darum, deine körperlichen Reaktionen zu "eichen".

  • Finde dafür eine entspannte und angenehme Position im Sitzen, Liegen oder Stehen. Gerne kannst du deine Augen dafür auch schließen.
  • Erinnere dich dann für einen Moment an einen besonders unangenehmen oder unschönen Moment in deinem Leben und tauche so gut es geht in diese Situation ein. 
  • Lass sämtliche Gefühlsregungen und Empfindungen dieser unangenehmen Erinnerung da sein und beobachte dabei genau diese Reaktion deines Körpers. 
  • Speichere dir innerlich das Körperempfinden ab, das mit der unangenehmen Situation einhergeht.
  • Dann schüttle diese Erinnerung von dir ab und schüttle auch gerne deinen Körper oder streife ihn mit den Händen ab.
  • Finde zurück in deine entspannte und angenehme Haltung.
  • Nun erinnere dich an einen besonders schönen und glücklichen - vielleicht sogar den glücklichsten - Moment in deinem Leben und versinke auch hier vollkommen in der Erinnerung.
  • Nimm die damit einhergehenden körperlichen Reaktionen genau wahr.
  • Speichere dir dann auch diese Reaktion deines Körpers ab.

Die häufigste Reaktion ist, dass sich dein Körper bei unangenehmen Erlebnissen zusammenzieht, enger und schwerer wird und oftmals als dunkler beschrieben wird, während die angenehmen Erlebnisse mit Weite, Offenheit, Leichtigkeit und Helligkeit einhergehen.

Dennoch kann es im Einzelfall Abweichungen geben, weshalb dieser Eichungsprozess im Vorfeld wichtig ist.


Anwendung des Körperkompasses:

  1. Finde eine entspannte Haltung - gerne mit geschlossenen Augen.
  2. Visualisiere dann die erste deiner verschiedenen Optionen und beobachte die körperliche Reaktion darauf.
  3. Reagiert der Körper eher so, wie bei der Reaktion auf die unschöne Erinnerung? Oder ist es eher eine Reaktion, die der ähnelt, wie du sie bei der schönen Erinnerung hattest?
  4. Wenn du magst, kannst du die Reaktion auf einer Skala von -10 bis +10 einordnen, wobei -10 bedeutet: genauso, wie die schlimmste Erinnerung und +10: genauso, wie die schönste Erinnerung. So kannst du auch dann noch feine Nuancen feststellen, wenn mehrere Optionen sich im Plus-Bereich befinden oder falls alle Alternativen im Minus-Bereich reagieren. 
  5. Entscheide dich für die Option, die auf der Skala von -10 bis +10 der +10 am nächsten kommt, d.h. am meisten Weite, Offenheit und Helligkeit in dir auslöst.

Auch hier ist eine regelmäßige Praxis ganz wichtig. Je mehr du übst, desto feinere Nuancen deiner Körperreaktionen wirst du wahrnehmen können.



Fazit

Aufgrund von Erlebnissen in der Vergangenheit oder chronischem Stress kann es ganz leicht passieren, dass du den Zugang zu deiner Körperweisheit verlierst.
Das heißt, es fällt dir schwer, die Signale deines Körpers, die er dir sendet, um dir mitzuteilen, was du brauchst, wahrzunehmen.

Dabei ist der Zugang zu deinem Körper unglaublich wichtig, um ein erfülltes Leben führen zu können.
Wenn du dir die Zeit nimmst, hinzuspüren und zuzuhören, was dir dein Körper sagen will, kann er zum inneren Kompass für dein Leben und wichtigen Entscheidungen werden.

Der Schlüssel, um wieder Zugang zu deiner Körperweisheit zu bekommen, liegt hier in der Regulation deines Nervensystems.

Denn nur mit einem regulierten Nervensystem bist du in der Lage, dich mit dir selbst zu verbinden und die Signale deines Körpers auch tatsächlich wahrzunehmen.
Daher ist es so wichtig, dass du dir in deinem Alltag regelmäßig Raum schaffst, um innehalten zu können und in dich hinein zu spüren.

Wenn du noch viel tiefer in die Arbeit mit deinem Nervensystem einsteigen willst und gemeinsam mit mir und anderen tollen Teilnehmer:innen in die Praxis einsteigen möchtest, um neue Erfahrungen im Körper zu machen und zu integrieren und somit ganz viele positive Veränderungen in dein Leben zu ziehen, empfehle ich dir meine NESC Ausbildung.

Alle Details dazu erfährst du hier. 


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