20. April 2024

Warum Embodiment-Übungen oft zu mehr Dis-Embodiment führen (und welche wirklich funktionieren)

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Das Thema Embodiment liegt aktuell voll im Trend. Was prinzipiell fantastisch ist. Ich bin absolut der Meinung, dass dieses Thema noch mehr in die Welt getragen werden darf. 

Allerdings kursieren rund um das Thema auch ein paar Tipps, Empfehlungen und Embodiment-Übungen, die zwar richtig gemeint sind, aber in der Realität leider oft zu mehr Dis-Embodiment führen – also dazu, dass noch mehr Stress im Nervensystem entsteht und du den Zugang zu dir selbst eher blockierst.

Warum das so ist und wie deine Embodiment-Praxis aussehen kann, damit du wirklich näher zu dir selbst kommst, das erfährst du in diesem Artikel. 

Was Embodiment für mich bedeutet

Es gibt ganz unterschiedliche Definitionen von Embodiment. Für mich ist Embodiment ein Heimkommen zu mir selbst und komplett präsent sein in meinem Körper. Es geht mir darum, mich selbst in all meinen Zellen und Empfindungen zu spüren, mich so anzunehmen, wie ich bin und dadurch die Beziehung zu mir selbst zu stärken.
Zusammengefasst: Es geht darum, aus dem Kopf zurück in den Körper zu kommen.

Ich war früher ein sehr verkopfter Mensch und habe meinen Körper überhaupt nicht wahrgenommen. Dementsprechend bin ich dann mit meinem Körper auch nicht gut umgegangen. Ich mochte ihn nicht.
Durch Embodiment-Übungen hat sich ganz viel verändert und ich bin viel liebevoller, weicher und wertschätzender mit mir geworden. Also: Ich bin mittlerweile gern ich. 



Was Embodiment für mich NICHT ist

Wie gesagt, können viele der Tipps, die in der Online-Welt zu Embodiment-Übungen kursieren, zu mehr Dis-Embodiment führen.
Weit verbreitet: „Stell dir vor, du bist heute schon eine Unternehmerin mit einer Million Umsatz und handle auch danach.“
Der Grundgedanke ist richtig. Dahinter steckt das Wissen, dass dein Sein, wer du bist und wie du bist, beeinflusst, was du tust. Und das, was du tust, beeinflusst deine Ergebnisse. 

Aber wenn du dir das nur vorstellst und dein tatsächliches Sein noch sehr weit von dieser vorgestellten Realität entfernt ist, verleugnest du damit dein wahres Sein und das führt leider meistens dazu, dass dein Nervensystem seine Alarmglocken einschaltet und du am Ende eher noch gestresster bist.
Dir vorzustellen, du bist etwas, wenn du das nicht wirklich fühlst, stresst dein Nervensystem, weil es eine Diskrepanz gibt zwischen dem, was tatsächlich ist, und dem, was dein Kopf dir da vorgaukeln will. Es wittert eine Gefahr.

Und wenn dein Nervensystem irgendwo eine Gefahr wittert, überschreibt es alles, was du dir wünschst oder was du tun möchtest. Sein einziger Fokus liegt jetzt darauf, dein Überleben zu sichern und dich vor der Gefahr fliehen zu lassen oder dagegen anzukämpfen - ohne dass du mit deinem bewussten Verstand irgendetwas dazu beisteuern kannst.
Befindet sich dein Nervensystem im Kampf-oder-Flucht- Modus und ist damit beschäftigt, ist die Fähigkeit, dich mit dir selbst zu verbinden und dich zu spüren, stark reduziert. 

Embodiment ist aber eben genau das Wahrnehmen und Spüren von dem, was in deinem Körper ist.



Wie deine Embodiment-Praxis aussehen kann – 5 einfache Körperübungen

Wenn du deinen Seinszustand verändern willst, kann das nicht über den Verstand stattfinden. Du kannst dich nicht ins Fühlen und ins Embodiment reindenken. Sondern es geht vielmehr darum, deine Gefühle und Empfindungen wahrzunehmen und anzunehmen.

Ich habe hier ein paar Beispiele für Embodiment-Übungen, die dir dabei helfen, dein Nervensystem zu beruhigen und deine Verbindung zu dir selbst zu stärken.


1. Spüren und Erlauben

Dabei geht es darum, einfach nur allen körperlichen Empfindungen uneingeschränkt den Raum zu geben, sie wahrzunehmen und sie da sein zu lassen - solange, bis sie nach ihrem natürlichen Lebenszyklus von alleine wieder abebben. 

Dazu nimm dir gerne Zeit und gönn dir regelmäßig eine kleine Auszeit von ein paar Minuten. Mach es dir bequem, schließ die Augen, spür in dich hinein und nimm wahr, was aufkommt. Was kannst du spüren? 

Was machen zum Beispiel deine Füße? Stehst du? Liegst du? Wo berühren sie den Untergrund? Wie fühlt sich das an? Wie fühlt sich der Rest deines Körpers? Dann kannst du vielleicht ein bisschen tiefer tauchen und spüren: Was macht dein Herzschlag? Wie ist dein Atem? Wie bewegt sich dein Brustkorb durch die Atmung? Mit diesen Dingen kannst du anfangen und immer mehr diese kleinen Nuancen und vielleicht subtile Veränderungen in deinem Körper wahrnehmen.


2. Breathwork und bewusstes Atmen

Bewusstes Atmen ist etwas, womit du dein Nervensystem ganz einfach selbst entspannen kannst. Dabei ist es unwichtig, wie viele Atemzüge du pro Minute oder innerhalb eines gewissen Zeitraums nimmst. Vielmehr geht es darum, dich auf deinen Atem zu fokussieren und diesen bewusst wahrzunehmen - ohne Vorgaben.

Es kann hilfreich sein, eine Hand auf deinen Bauch und eine Hand auf deine Brust zu legen, um deine Atemzüge ganz bewusst spüren zu können. 

Wichtig ist einfach, dass du dich nicht unter Druck setzt, indem du besonders tief atmen willst. Atme gerne so tief, wie es ganz natürlich möglich ist und beobachte einfach diesen natürlichen Atemfluss.


3. Meditation

Meditation kann dir dabei helfen, präsenter zu werden und unmittelbar im Hier und Jetzt zu sein.

Wichtig ist es dabei, dich nicht zu zwingen, deine Gedanken abzuschalten oder den Kopf zu leeren.
Werde vielmehr einfach zur Beobachterin deiner Gedanken, spüre, was diese mit dir und deinen körperlichen Empfindungen machen - und lass einfach alles sein.
Meditation kann - wenn sie ohne Druck praktiziert wird - helfen, dein Nervensystem zu regulieren.


4. 5-4-3-2-1 Übung

Finde eine für dich angenehme Position (egal, ob im Sitzen, Liegen oder Stehen) und such dir einen Punkt im Raum, auf dem du deinen Blick ruhen lassen kannst.
Du kannst dich während der Übung gerne auch bewegen und deine Position verändern - wichtig ist, dass du dich wohl fühlst. Atme ein paar mal tief ein und aus.

Gib dir einen Moment, um zunächst 5 Dinge zu benennen, die du sehen kannst.
Finde dann 4 Geräusche, die du hören kannst.
Spüre daraufhin 3 Dinge, die du fühlen oder sogar berühren kannst.
Nimm anschließend 2 unterschiedliche Gerüche wahr.
Und zum Abschluss finde noch eine Sache, die du schmecken kannst.

Diese einfache, aber kraftvolle Übung kann wahre Wunder wirken, um dich mit dem Hier und Jetzt zu verbinden und dein Nervensystem zu regulieren.


5. Übung “Kopf drehen”

Mit dieser kurzen Übung wird dein Vagusnerv, der zur Beruhigung deines Nervensystems beiträgt, angesprochen. Hierzu dreh deinen Kopf einmal langsam nach links und fokussiere am Endpunkt einen Gegenstand für ein paar Sekunden mit deinen Augen, sodass du eine sanfte Dehnung sowohl in der Hals- und Nackenmuskulatur, aber auch in der Augenmuskulatur spürst.

Dann drehe den Kopf langsam nach rechts und fixiere auch hier wieder einen Gegenstand.

Wiederhole das ganze einfach ein paar mal, bis du das Gefühl hast, es ist genug.


Fazit: Durch Embodiment-Übungen deinen Körper besser kennenlernen

Wenn du regelmäßig Embodiment-Übungen in deinen Alltag integrierst und deinen Körper kennenlernst, dann reguliert sich dein Nervensystem langfristig. Das führt automatisch dazu, dass du dich noch besser selbst spürst und dein Nervensystem entspannt. Und wenn dein Nervensystem entspannt ist, handelst du auch anders. 

Wenn du dein authentisches Selbst verkörperst, du mehr bei dir bist, deiner Intuition mehr vertraust, wirkt sich das auf all deine Lebensbereiche aus.

Ganz wichtig bei den Embodiment-Übungen: Setz dich nicht unter Druck und lass zu, was aufkommen möchte.  

 
Wenn du noch tiefer in das Thema „Embodiment" eintauchen möchtest, hör dir gern auch folgende Podcast-Episoden an:

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