Kennst du das vielleicht von dir?
Du möchtest etwas in deinem Leben verändern und willst bei der Beruhigung deines Nervensystems ansetzen.
Du fängst an, nach Wissen und Tools zu recherchieren, die dir dabei helfen könnten.
Du wirst auch fündig, aber an der Anwendung hapert es dann?
So geht es vielen. Vor allem mit Tools zur Nervensystemregulation.
Gerade hier ist es aber unglaublich wichtig, in die Praxis zu kommen und das Wissen und die Tools auch wirklich anzuwenden - und vor allem dann auch dranzubleiben.
Warum genau Kontinuität bei der Arbeit mit deinem Nervensystem so wichtig ist, warum es gar nicht darum gehen sollte, immer ein beruhigtes Nervensystem zu haben und was dir in der Praxis helfen kann, dranzubleiben, erfährst du in diesem Blogartikel.
Warum es gar nicht darum gehen sollte, ein beruhigtes Nervensystem zu haben
Bevor ich anspreche, warum bei der Arbeit mit dem Nervensystem Kontinuität einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Faktor ist, möchte ich noch auf eine ganz wichtige Sache eingehen.
Wenn du in deinem Leben etwas verändern möchtest, sollte es nicht dein Ziel sein, immer ein beruhigtes, sondern vielmehr ein reguliertes Nervensystem zu haben.
Aber was bedeutet es genau, wenn dein Nervensystem reguliert ist?
Ein reguliertes Nervensystem zu haben, bedeutet, dass dein autonomes Nervensystem flexibel auf alle Anforderungen des Alltags reagieren kann.
Und dazu gehört eben auch, dass es in gewissen Situationen in die Aktivierung geht und auch mal ins Kampf- oder Fluchtverhalten, wenn es notwendig ist.
Nämlich genau dann, wenn tatsächlich eine Gefahr besteht.
Wenn du dich zum Beispiel in einem brennenden Haus befindest und dein Nervensystem wäre so entspannt, dass es nicht darauf reagiert, wäre das für dein Überleben nicht unbedingt hilfreich.
Ein reguliertes Nervensystem kann sich von Moment zu Moment flexibel durch verschiedene Zustände durchbewegen.
Es kann von der Aktivierung zurück in die Entspannung finden - und umgekehrt.
So wird es möglich, dass du jederzeit angemessen auf die äußeren Umstände und deren Anforderungen reagieren kannst.
Das ist genau die Fähigkeit, die einem dysregulierten Nervensystem hingegen oft fehlt.
Die Fähigkeit, zwischen Beruhigung und Aktivierung hin und her zu wechseln. Stattdessen befindet es sich in Dauer-Alarmbereitschaft.
Das heißt, es kann Gefahrensituationen nicht mehr richtig einschätzen und geht auch bei Dingen, die überhaupt keine Gefahr für dich darstellen, von Gefahr aus.
Ob dein autonomes Nervensystem dysreguliert ist, kannst du an verschiedenen Symptomen erkennen. Wenn das der Fall ist, ist es umso wichtiger, dass du in die Praxis gehst, um dein Nervensystem zu regulieren und dann, ganz wichtig, eben auch dauerhaft dran bleibst.
Aber warum genau ist Kontinuität so entscheidend für die nachhaltige Regulierung deines Nervensystems und positive Veränderungen in deinem Leben?
Warum Kontinuität so wichtig für die Beruhigung deines Nervensystem ist
Vielleicht geht es dir auch so, dass es dir in Momenten, in denen du akut gestresst oder getriggert bist, leicht fällt, an die Tools zur Beruhigung deines Nervensystems zu denken und diese auch anzuwenden.
Wahrscheinlich fühlst du dich dann auch kurzfristig besser.
Aber langfristig wird sich so nichts verändern.
Im Grunde handelt es sich um nichts anderes als eine Symptombekämpfung.
Das kannst du damit vergleichen, wenn du ständig müde bist und anstatt mehr zu schlafen, einfach immer nur Kaffee trinkst.
Der Kaffee macht dich kurzzeitig wacher, aber auf lange Sicht verschlechtert ein hoher Kaffeekonsum deinen Schlaf noch mehr.
Bei der Nervensystem-Arbeit ist es ähnlich:
Die Übungen zur Regulation nur in stressigen Momenten einzusetzen, ist wie ein schneller Koffeinschub – sie packt das Problem nicht an der Wurzel.
Das heißt:
Um dein autonomes Nervensystem wirklich generell zu regulieren, musst du regelmäßig und langfristig damit arbeiten und deine Stresstoleranz grundsätzlich erhöhen.
Das bedeutet, was dich heute vielleicht noch stresst und wo du heute noch deine Übungen zur Beruhigung deines Nervensystems auspacken müsstest, wird das überhaupt nicht mehr nötig sein.
Wenn sich wirklich in deinen inneren Strukturen etwas verändert hat, wird die gleiche Situation in deinem Nervensystem nicht mehr die gleiche Aktivierung auslösen.
Das heißt, du musst die Tools zur Beruhigung deines Nervensystems im besten Fall in den Akut-Situationen gar nicht mehr bewusst anwenden.
Das erreichst du, wenn du übst und trainierst, wenn keine Akutsituation besteht.
Das heißt, Ziel ist es, jeden Tag mit deinem Nervensystem zu arbeiten.
Jeden Tag präsenter zu werden.
Jeden Tag dein Nervensystem besser kennenzulernen, dich damit zu verbinden und die unterschiedlichen Zustände wahrzunehmen.
Du kannst dir das so vorstellen wie bei einer Brandschutzübung:
Bricht ein Feuer aus und das Verhalten für diesen Ernstfall wurde vorher nicht geübt, endet die Situation wahrscheinlich in großem Chaos.
Hast du den Ernstfall aber vorher regelmäßig geübt, prägt sich das Verhalten so in dein Unterbewusstsein ein, dass du dann fast schon automatisiert, viel schneller, kontrollierter und ruhiger handeln kannst, wenn tatsächlich ein Feuer ausbricht.
So ist es auch mit deinem Nervensystem:
Trainierst du es quasi täglich immer mal wieder darauf, mit dir verbunden zu bleiben, sodass du in deinem Körper präsent sein kannst, dann fällt dir das auch in akuten Stresssituationen viel leichter.
So brauchst du die Übungen zur Beruhigung deines Nervensystems nicht als Notfallübungen, sondern dein Nervensystem kann sich einfach im Hintergrund angemessen regulieren.
Das heißt, es geht entweder in die Aktivierung oder Beruhigung, je nachdem, was gerade gebraucht wird.
Und genau deswegen als Schlussfolgerung:
Um überhaupt nicht mehr oder nur noch selten in die Situationen reinzukommen, in denen du akut gestresst oder getriggert bist, geht es am Ende wirklich darum, regelmäßig und langfristig mit deinem autonomen Nervensystem zu arbeiten.
So wird es möglich, deine neuronalen Strukturen dauerhaft aus dem Stress-Modus rauszubringen, anstatt die Probleme immer nur oberflächlich zu bearbeiten.
Praxistipp, um langfristig und regelmäßig mit deinem Nervensystem zu arbeiten
Am effektivsten für die nachhaltige Regulierung deines autonomen Nervensystems ist es, wirklich jeden Tag damit zu arbeiten und es von Tag zu Tag besser kennenzulernen.
Und hier geht es nicht darum, jeden Tag eine ewig lange Übung zu praktizieren. Sondern wirklich kurz und kontinuierlich zu üben. Es ist besser, du übst zehnmal am Tag für 30 Sekunden, als einmal pro Woche für 30 Minuten.
Du kannst im Alltag zum Beispiel immer wieder kurz innehalten und dich über deine Sinneswahrnehmungen und die Orientierung nach innen im Hier und Jetzt verankern, um den jetzigen Moment bewusst zu erleben.
Hier kannst du so vorgehen:
Schritt 1: Orientierung nach außen
- Setze oder stelle dich dazu mit offenen Augen entspannt hin.
- Lass deinen Blick durch die Umgebung wandern und halte bei etwas an, das deine Aufmerksamkeit anzieht.
- Sieh ganz bewusst hin, was du alles sehen und entdecken kannst.
- Finde beschreibende Worte für das, was du siehst.
- Optional kannst du zusätzlich - während du mit deiner Aufmerksamkeit im Außen bist - wahrnehmen, wie diese Orientierung nach außen auf dein autonomes Nervensystem wirkt (eher beruhigend oder aktivierend?)
Schritt 2: Orientierung nach innen
- Dann setze oder stelle dich bequem hin und wenn du magst, schließe deine Augen
- Richte jetzt deinen “inneren Blick” in deinen Körper hinein und schau, ob es einen Bereich gibt, der deine Aufmerksamkeit anzieht.
- Spür ganz bewusst hin, was es wahrzunehmen gibt.
- Finde beschreibende Worte für das, was du wahrnimmst.
- Optional kannst du zusätzlich - während du mit deiner Aufmerksamkeit im Inneren bist - wahrnehmen, wie diese Orientierung nach innen auf dein autonomes Nervensystem wirkt
- Lös die Aufmerksamkeit von dem Bereich und halte einen Teil deiner Aufmerksamkeit bewusst in deinem Körper verankert, öffne deine Augen und komm zurück in deine Umgebung.
Hinweis:
Wichtig bei der Wahrnehmung ist es, dass du immer beschreibend bei der reinen Wahrnehmung bleibst (z.B. “Ich sehe die verschiedenen Grün-Schattierungen der Bäume”), ohne etwas zu bewerten oder zu interpretieren (nicht: “Das Grün der Bäume zeigt mir schon, dass bald der Herbst kommt”).
Was du im Alltag sonst noch tun kannst, um die Beruhigung deines Nervensystems zu fördern
Zum Abschluss noch ein paar Tipps dazu, was du sonst noch ganz einfach in deinen Alltag einbauen kannst, um deinem Nervensystem etwas Gutes zu tun und seine Regulierung zu fördern.
Einer der wichtigsten Tipps für den Alltag ist wohl:
Nimm deine physiologischen Grundbedürfnisse wahr und erfülle sie!
Einer der größten Stressoren für dein Nervensystem ist es, wenn du deine physiologischen Grundbedürfnisse ignorierst und missachtest. Wenn du beispielsweise Durst hast, aber trotzdem nichts trinkt, glaubt dein Nervensystem, du befindest dich in einer Dürreperiode. In der Folge aktiviert es den Überlebensmodus und reduziert damit seine Aktivität einfach auf das Minimum der lebenserhaltenden Prozesse.
Nicht zu trinken, wenn du Durst hast, löst also eine enorme Stressreaktion im Körper aus. Genauso verhält es sich mit dem Essen und Schlafen oder dem Drang, auf die Toilette zu gehen.
Du tust deinem Nervensystem also allein dadurch sehr viel Gutes, wenn du isst, wenn du Hunger hast, trinkst, wenn du Durst hast, schläfst, wenn du müde bist und auf die Toilette gehst, wenn der Drang dazu da ist.
Ansonsten sind hier noch 13 Tipps, die du ganz einfach in deinen Alltag einbauen kannst, um die Regulierung deines autonomen Nervensystems zu unterstützen:
- Beginne den Tag mit einem Glas Wasser: Die Hydration nach dem Aufwachen unterstützt die kognitive Funktion und das Nervensystem.
- Integriere kurze Meditationen: Selbst fünf Minuten Meditation am Tag können Stress reduzieren und das Nervensystem beruhigen.
- Nimm die Treppe, statt des Aufzugs: Kleine Bewegungseinheiten über den Tag verteilt fördern die Durchblutung und stärken das Nervensystem.
- Setze auf eine nervenstärkende Ernährung: Lebensmittel, reich an Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, und B-Vitaminen unterstützen die Nervengesundheit.
- Erstelle eine “Dankbarkeitsliste”: Das tägliche Notieren von Dingen, für die du dankbar bist, fördert eine positive Einstellung und beruhigt das Nervensystem.
- Reduziere Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen: Vermeide blaues Licht von Geräten, um deinen Schlaf zu verbessern und das Nervensystem zu entlasten.
- Gönne dir Pausen im Freien: Zeit in der Natur zu verbringen, kann Stress abbauen und das Nervensystem stärken.
- Optimiere deinen Arbeitsplatz ergonomisch: Eine gute Haltung verringert körperliche Beschwerden und unterstützt das Nervensystem.
- Pflege sozialer Kontakte: Positive Interaktionen mit anderen Menschen können das Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit verstärken.
- Höre beruhigende Musik: Musik kann Stimmung und Stressniveau beeinflussen und somit positiv auf das Nervensystem wirken.
- Praktiziere Atemübungen: Bewusstes tiefes Atmen kann sofort beruhigend auf das Nervensystem wirken.
- Führe eine Stress-Tagebuch: Das Aufschreiben von Stressfaktoren und deinen Reaktionen darauf kann helfen, Muster zu erkennen und zu ändern.
- Schlafe ausreichend: Eine gute Nachtruhe ist essentiell für die Regeneration des Nervensystems.
Viel Spaß beim Ausprobieren.
Fazit
Grundsätzlich ist es so, dass die Beruhigung deines Nervensystems gar nicht dein Ziel sein sollte. Denn, zum Beispiel in Gefahrensituationen ist es überhaupt nicht wünschenswert, dass dein Nervensystem ausschließlich beruhigt ist.
Vielmehr geht es darum, ein reguliertes Nervensystem zu haben.
Das bedeutet, dass dein Nervensystem sich von Moment zu Moment an die äußeren Umstände anpassen kann und flexibel von der Aktivierung zurück in die Entspannung findet - und umgekehrt.
Bei der Anwendung der Übungen zur Regulierung deines Nervensystems ist dann Kontinuität einer der entscheidendsten Faktoren.
Dabei ist es vor allem wichtig, dass es nicht darum geht, ein- oder zweimal wöchentlich über eine lange Zeitdauer mit deinem Nervensystem zu arbeiten, sondern lieber zehnmal jeden Tag für 30 Sekunden.
Denn so bringst du deine Nervensystem-Strukturen dauerhaft aus dem Stress-Modus raus und es kann sich wirklich nachhaltig etwas in deinem Leben verändern.
Wenn dich die Arbeit mit dem autonomen Nervensystem interessiert, du tiefer einsteigen möchtest und du wirklich über eine längere Zeit in die Praxis gehen und dabei auch begleitet werden willst, ist meine 7-monatige NESC Ausbildung, die gleichzeitig Persönlichkeitstraining und Coaching-Ausbildung ist, genau das richtige für dich.
Hier sind einige der spannenden Inhalte, die dich in der Ausbildung erwarten:
- Selbsterfahrung: Tauche tief in deine eigene Entwicklung ein.
- Dein Nervensystem verstehen: Erkenne und nutze den Schlüssel zur echten Transformation.
- Embodiment: Integriere deine Erfahrungen bewusst in deinem Körper.
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Alle Details zur Ausbildung findest du hier.
Ansonsten, hör dir gern auch folgende Podcast-Episoden an:
- Podcast-Episode 160: 13 Anzeichen dafür, dass du dein Nervensystem beruhigen solltest
- Podcast-Episode 248: Die 5 häufigsten Missverständnisse über das autonome Nervensystem
- Podcast-Episode 252: Kopf- vs. Körperwissen und was das mit dem Freeze-Zustand zu tun hat



