23. März 2024

Keine Panik! Wie du deine Angst vor Veränderung in zwei Schritten ganz schnell los wirst

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Wolltest du schon mal etwas in deinem Leben unbedingt verändern?
Zum Beispiel mehr Sport machen, dich gesünder ernähren oder eine neue Morgenroutine einführen? Oder vielleicht stand auch eine Kündigung an, ein Umzug in eine neue Stadt oder eine Trennung?
Aber irgendwie bist du die Veränderung dann doch nicht angegangen oder am Ende wieder in alte Muster zurückgefallen? 

Das geht vielen so. Oft ist die Angst vor Veränderung so groß, dass sie dich davor zurückhalten kann, bestimmte Entscheidungen zu treffen und neue Wege im Leben einzuschlagen. 

Doch warum ist es eigentlich so, dass Veränderungen oft Angst machen?
Und vor allem: Was kannst du konkret gegen diese Ängste tun, um neue Herausforderungen positiv gestimmt angehen zu können? Das alles erfährst du in diesem Artikel.

Warum ist deine Angst vor Veränderung so groß?

Fragst du dich, warum der Schritt aus der Komfortzone so eine große Überwindung kostet? Und wenn du dich dann doch aus deiner Wohlfühlzone gewagt hast, warum du dann oft ganz schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfällst?


Welche Rolle dein Nervensystem dabei spielt

Dahinter steckt, wie so oft, dein Nervensystem. Dein Nervensystem mag keine Veränderungen. Es wurde in Zehntausenden von Jahren darauf ausgerichtet, dein Überleben zu sichern und Energie zu sparen.
Deshalb sucht dein Gehirn immer nach Sicherheit, also eher nach bekannten Situationen. Denn hier sind die Risiken gut abschätzbar. Bisher hast du gut in dieser Situation überlebt - warum also eine neue, potenziell gefährliche Situation wagen?

Das heißt, jede Veränderung bedeutet für dein Nervensystem erstmal Unsicherheit und Gefahr.
Und wenn es irgendwo eine Gefahr wittert, ist das, was du dir eigentlich wünschst und was du tun möchtest, erstmal egal. Der einzige Fokus liegt jetzt darauf, dein Überleben zu sichern und vor der Gefahr zu fliehen oder dagegen anzukämpfen - ohne, dass du mit deinem bewussten Verstand irgendwas dazu beisteuern kannst. Das passiert ganz automatisch.

Das kann dann für die Veränderungen, die du dir eigentlich für dein Leben vorgenommen hattest, folgendes bedeuten:
Du fängst eine Sache an und kehrst dann oft schnell wieder zurück zu deinen alten Gewohnheiten oder du findest tausend Gründe, warum du die Veränderung erst gar nicht angehen solltest. 

Ist dein Nervensystem jetzt auch noch von Grund auf dysreguliert (aus seiner natürlichen Balance gekippt), verstärkt sich die Kampf-oder-Flucht-Reaktion und somit auch deine Angst vor Veränderungen noch mehr.

Die Dysregulation geht damit einher, dass das generelle Stresslevel in deinem Körper zu hoch ist. Wenn dein Nervensystem in diesem Dauerstress-Modus feststeckt, ist es auf eine Art ständig im Überlebensmodus. Das bedeutet, es wittert ständig und überall Gefahr. Das macht Veränderungen für dich noch viel schwieriger. Dein Körper hat schlichtweg gar keine Energieressourcen mehr dafür übrig, da er all seine Energie darauf verwendet, dich ständig vor Gefahren schützen zu wollen. 

Deswegen sind Veränderungen, wenn wir es aus Nervensystemperspektive anschauen, nur dann möglich, wenn dein Nervensystem nicht länger im Überlebensmodus läuft, sondern nur, wenn du dich von Grund auf sicher fühlst.

 

Wie es zur Dysregulation deines Nervensystems kommt

Aber, wie kommt es eigentlich zur Dysregulation deines Nervensystems?
Es gibt ganz viele Faktoren, die dein Nervensystem über die Zeit aus der Balance gebracht haben können und die dich im Überlebensmodus festhalten.
Das können Dinge sein, die bereits in deiner Kindheit entstanden sind. Zum Beispiel durch ein fehlendes Gefühl an Sicherheit.
Ein dysreguliertes Nervensystem kann aber auch durch Dauerstress entstehen. Vielleicht hast du das Gefühl von Sicherheit in deiner Kindheit kennengelernt, es hat sich aber in den letzten Jahren so viel Stress angestaut, dass dein Sicherheitsempfinden ins Wanken gekommen ist.
Dieser Dauerstress kann zum Beispiel durch ungesunde Ernährung, Missachtung deiner physiologischen Bedürfnisse, Konflikte oder zu viel Arbeit entstehen. 

Wenn du hier noch genauer einsteigen und mehr zu den Ursachen für die Dysregulation deines Nervensystems erfahren möchtest, hör dir gerne meine Podcast-Episode “5 alltägliche Dinge, die zur Nervensystem-Dysregulation führen” an.



7 Anzeichen, dass es für dich an der Zeit ist, etwas zu verändern

Dass Veränderung selten einfach ist und was die Angst vor Veränderung mit deinem Nervensystem zu tun hat, weißt du jetzt. Aber wie merkst du, dass der Punkt erreicht ist, an dem es trotzdem an der Zeit ist, etwas zu verändern?

Diese 7 Anzeichen deuten darauf hin, dass du etwas in deinem Leben verändern solltest:

  1. Hohe Irritierbarkeit und Gereiztheit: Deine Frustrationstoleranz ist sehr niedrig und du gehst bei Kleinigkeiten sofort in die Luft.
  2. Ständige Müdigkeit und Erschöpfung: Bereits am Morgen fühlst du dich antriebslos, lustlos und alles ist eine Qual.
  3. Pessimismus: Du fühlst dich oft niedergeschlagen, grübelst viel und steckst in negativen Gedankenmustern fest.
  4. Kognitive Erschöpfung: Auch nach Ruhe spürst du geistige Müdigkeit, ein Gefühl innerer Leere und Gleichgültigkeit.
  5. Stimmungsschwankungen: Deine Stimmung wechselt schnell und teilweise grundlos.
  6. Ein schwaches Immunsystem und schlechte Regeneration: Du hast ständig kleine Wehwehchen wie Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen und bist häufig erkältet. 
  7. Widerstände gegen das, was ist und/oder Vermeidungsverhalten: Du lebst in der Vergangenheit und denkst oft daran, dass früher alles besser war.

Treffen alle oder einige der Anzeichen auf dich zu? Dann ist es definitiv Zeit für dich, etwas in deinem Leben zu ändern.



Zwei Schritte, wie du deine Angst vor Veränderungen ganz einfach überwinden kannst

Um deine Angst vor Veränderung überwinden zu können, habe ich zwei Schritte für dich, die dir dabei helfen, dein Nervensystem zu regulieren. Damit vermittelst du deinem Nervensystem ein Gefühl von Sicherheit, sodass es sich auf Neues leichter einlassen kann, ohne gleich in eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion überzugehen.


1.  Spüren - Momentaufnahme des aktuellen Nervensystem Zustands

Dazu nimm dir gerne Zeit und gönn dir regelmäßig eine kleine Auszeit von ein paar Minuten. Mach es dir bequem, schließ die Augen, spür in dich hinein und nimm wahr, was aufkommt. Was kannst du spüren? In welchem Zustand befindet sich dein Nervensystem?

Da das Nervensystem sämtliche körperlichen Prozesse beeinflusst, kannst du den Zustand deines Nervensystems an drei Kriterien besonders gut ablesen: An deiner Atmung, deiner Muskelspannung und deinem Herzschlag.


Entspanntes Nervensystem

Gestresstes Nervensystem

Atmung

ruhig, entspannt, gleichmäßig, tief 

schnell, kurzatmig, flach, unregelmäßig, außer Atem

Herzschlag

langsam, entspannt und gleichmäßig

schnell, angespannt

Muskelspannung 

entspannt

angespannt


Je öfter du diese Übung machst, desto mehr wirst du in der Lage sein, immer feinere Nuancen von Empfindungen wahrzunehmen. Anstatt zum Beispiel nur zu spüren, ob du angespannt bist oder nicht, kannst du dann merken, dass deine linke Schulter angespannter ist, als die Rechte. Dann wirst du vielleicht erkennen können, welcher Teil deiner Schulter genau angespannt ist und dass es verschiedene Level an Anspannung gibt. Das kann so weit gehen, dass du irgendwann deine einzelnen Zellen und deren Zustand spüren kannst. Dafür braucht es allerdings einiges an Übung.

Setz dich hier nicht unter Druck, sondern fang einfach mal an und schau, was passiert.


2. Erlauben - Lass zu, was aufkommen möchte

Im zweiten Schritt, der dir hilft, dein Nervensystem zu regulieren und deine Angst vor Veränderung zu überwinden, geht es um das bedingungslose Annehmen aller Gefühle und Emotionen, die beim Spüren aufkommen. Ziel ist es, auch alle unangenehmen körperlichen Empfindungen zulassen zu können.

Ich beschreibe das gerne mit der Metapher einer Tasse Kaffee:
Wenn du eine Tasse mit einem Fassungsvermögen von 200ml nimmst und sie bis zur Hälfte mit Kaffee füllst, dann gibt es noch genug Raum, so dass die Tasse auch mal angerempelt werden kann, ohne dass sie gleich überschwappt. 

Je voller aber die Tasse ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Kaffee aus der Tasse schwappt, wenn jemand an die Tasse kommt. Und umso mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit benötigt es, den Kaffee nicht zu verschütten.

Genauso ist es auch mit den Gefühlen und unterdrückten Emotionen. Dein Körper ist wie die Tasse und hat ein gewisses Fassungsvermögen für unangenehme Gefühle und Emotionen.

Je mehr dein Körper mit diesen Gefühlen und Emotionen gefüllt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass genau diese Emotionen zum Ausdruck kommen, wenn das Leben dich mal zum Stolpern bringt - also im Falle von Krisen und Herausforderungen. 

Außerdem wird es immer anstrengender für dich und dein Nervensystem,  je länger du versuchst, diese Emotionen zu unterdrücken. Dein Nervensystem kann sich dann nicht mehr regulieren und gerät in einen dauerhaften Alarmzustand.

Genau deshalb ist die Fähigkeit, dich mit deinem Körper verbinden zu können, um zu spüren, was da ist und unangenehme Empfindungen aushalten zu können, so wichtig. Dadurch kannst du angestaute Emotionen und Gefühle gehen lassen, dein Nervensystem kann sich mehr und mehr regulieren und zurück in den Sicherheitsmodus finden. Du wirst weiterhin intensive Emotionen haben, sie verschwinden nicht einfach. Aber dein Nervensystem nimmt sie nicht mehr als Gefahr wahr.



Fazit

Es ist die natürliche Reaktion deines Nervensystems, auf Veränderungen mit Widerstand zu reagieren. Denn Unbekanntes bedeutet erstmal “Gefahr”.

Dieses Verhalten hat uns Menschen in der Steinzeit sehr geholfen, wenn wir einem Säbelzahntiger gegenüber standen. Und auch heute noch ist es fantastisch, dass dein Nervensystem in akuten Gefahrensituationen in den Alarmmodus schaltet, um dich zu beschützen. 

Allerdings ist es eher weniger fantastisch, wenn dein Nervensystem dich davor schützen möchte, einen neuen Job anzunehmen oder eine neue Beziehung einzugehen (weil alles Neue ja potenziell erstmal eine Gefahr ist) und dafür sorgt, dass du in den Fluchtmodus kommst. 

Genau deshalb liegt der Schlüssel, um deine Angst vor Veränderung zu überwinden, in deinem Nervensystem. Es geht darum, es durch das Spüren und Erlauben von aufkommenden Gefühlen zu regulieren, sodass es nicht länger alles Neue, das du dein Leben bringen möchtest, als Gefahr ansieht.

 
Wenn du noch tiefer in das Thema eintauchen möchtest, hör dir gern auch folgende Podcast-Episoden an:

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